chris stoffels

Schriftsteller


Das Rheinland im blut und in der feder

Chris Stoffels wurde am 11. September 1951 in Köln geboren. Nach dem Abitur, das er an einer katholischen Klosterschule erwarb, studierte er Jura in Freiburg, Münster und Köln. Danach wandte er sich dem Journalismus zu und arbeitete bis 1981 für den Kölner Stadtanzeiger. Anschließend war er 30 Jahre bei der Rheinischen Post als Redakteur in der regionalen Berichterstattung tätig.

Bereits in den 1970er Jahren begann Stoffels Gedichte zu verfassen. Seit 2012 sind unter seinem Namen rund ein Dutzend Romane unterschiedlicher konzeptioneller Ausrichtung erschienen; zu seinen Werken zählen Krimis und Liebesromane ebenso wie Psychodramen und teils autobiografische Familiengeschichten. Ein zentrales Thema bei Stoffels sind Konflikte zwischen Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Gemeinsam ist seinen Geschichten der Bezug zum Rheinland, Stoffels' Heimat, oder zur Wesermarsch, wo er seit Jahrzehnten hinreist, um sich von der Landschaft um die Halbinsel Butjadingen inspirieren zu lassen.

 

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Das Spiel der Männer

... ist eine Umschreibung für die rheinische Schützentradition.
Das Buch taucht ein in das Kaleidoskop der Menschen und der Ereignisse rund um dieses Fest, das von alters her seinen Ursprung in der bürgerlichen Gesellschaft findet, diese aber gleichzeitig auch persifliert. Ausgangspunkt ist Ruth Spahn, die als Jüdin in ihrer Jugend mit den Eltern in die USA ausgewandert war und nun die Stadt ihrer Kindheit erlebt. Da ist der tragische Schützenkönig Philipp Oosten, der homosexuell ist, an Aids erkrankt, gegen Vorurteile ankämpft und dann die Schützen doch nicht repräsentieren kann. Der Schützenpräsident und der Oberst des stolzen Regiments feinden sich an, wo immer es sich anbietet. Da findet der junge Grenadier Jens erst mühsam seinen Weg aus dem Einflussbereich des Obersten. Die Senioren Ludwig und Elisabeth streben das „heitere Sterben“ an, die Krankenschwester Inge findet nach einer Enttäuschung die große Liebe… Und irgendwie steht immer wieder die lebens- und liebenswerte Stadt mit ihrer ausgeprägten Bürgerlichkeit und Heimatverbundenheit im Mittelpunkt der abwechslungsreichen Geschichte.

 

„Domtränen“ – eine außergewöhnliche Hommage an Köln und die Kölner
Köln ab Abgrund: Das Karnevalslied „Am 30. Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang….“ wird Wirklichkeit: Ein Meteorit rast auf Köln zu. Viele Kölner verbünden sich in ewiger Treue und trunken vor Glück mit ihrer Stadt, andere flüchten sogar nach Düsseldorf, eine alte Frau feilscht in Nippes mit ihrem Herrgott, ein Bestattungsunternehmer wittert das ganz große Geschäft, der greise Kardinal hadert mit Rom und Himmel… die Stadt gerät aus den Fugen. Die Kölner schwanken zwischen Karneval und Totensonntag. Und was passiert mit dem FC? Höhner, Bläck Fööss und all die anderen besingen den Untergang. Und der fällt weitaus dramatischer und schlimmer aus als vorhergesagt. Die Stadt ist zerstört – nur der Dom ragt unversehrt aus der Trümmerwüste. Doch die Kölner lassen sich nicht unterkriegen. Nach dem Motto „Arsch huuh…“ bauen nach völlig neuen, zukunftsweisenden Maßstäben die schönste und bürgerfreundlichste Stadt der Welt. Zum Symbol des Wiederaufbaus wird Paul, der kleine Sohn eines jungen Paares, der durch seltsame Weissagungen auffällt. Um ihn streiten nun der neue Kardinal und der Dalai Lama, der in seinem New Yorker Hotelzimmer die Live-Berichterstattung über den Wunderknaben sieht. Am Ende einigen sich die beiden hohen Herren darauf, dass Paul zum legitimen Nachfolger des Dalai Lama aufgebaut wird, aber jedes Jahr am Dreikönigstag nach Köln und in den Dom kommt. Die Geschichte ist mit leiser Ironie und viel Lokalkolorit der Seele und der Mentalität der Kölner auf der Spur, aber auch für Nicht-Kölner zum Verständnis der rheinischen Gemütslagen interessant. Und sie ist eine Parabel für die Geschichte der Stadt und ihres Wahrzeichens.

Messer aus Bullerbü

Die Kinder aus der "heilen Welt" aus Astrid Lindgrens "Kinder aus Bullerbü" werden mit der rauen Wirklichkeit des Lebens konfrontiert.- und testen die Grenzen aus. Sie versuchen ihre Traumata, Krankheiten und Haß gefühlsmäßig einzuordnen - und scheitern, da sie diesen Gefühlen der Welt in Bullerbü nicht begegnet sind. Da ihnen keine Grenzen gesetzt wurden, testen sie die Wirklichkeit so weit, es geht. Paul sucht den Freitod, andere geraten in den Strudel der Neonazis, eine andere versucht ihre Vergewaltigung mit einem Mord zu rächen. Und dennoch gibt es einen Katalysator des Glücks: Der Kultbär trägt den Geist von Bullerbü auch in das entfernteste Gefängnis und die dunkelsten Stunden der jungen Menschen. Trotz aller Irrungen und Wirrungen siegt letztlich das, was Bullerbü über den Tag hinaus vermittelte: die Liebe.

The Nuke

Es ist der 1. Oktober 1958. In Bremerhaven geht Elvis Presley von Bord, um in Deutschland seinen Armeedienst abzuleisten. Gleichzeitig wollen die beiden Mütter des Ich-Erzählers nach Amerika auswandern. Im Gewühl des Columbusbahnhofs vertauscht General Dowell seinen Seesack mit dem meiner Mütter. Der Haken: Der General hatte The Nuke bei sich, eine kleine, handliche Nuklearbombe, höchst brisant, ultra gefährlich. Der Erzähler ist plötzlich mächtig, Herrscher über Leben und Tod, kann binnen Sekunden eine Großstadt auslöschen… Doch hinter der Bombe sind auch andere her. So Weltstar Frank Sinatra, ein Cousin von General Dowells Frau und mit ihm die Mafia. Aber auch andere dubiose Gestalten, so der neue Freund seiner Mutter Britt, die mit ihm nach Südamerika flüchten will, wollen The Nuke. Es gibt Entführungen in Bremerhaven, es gibt Tote im Hafenbecken. Der Erzähler wechselt die Verstecke, fühlt sich aber am sichersten mit der Bombe im Trolley hinter sich. Schließlich findet er eine Lösung: Mit Hilfe seiner neuen Freundin Isabel lagert er die Bombe im Hohlraum eines Altars einer Dorfkirche…

 

 

Rhabarberblätter

Ein Mann kehrt zum 60. Geburtstag an die Stätten seiner Kindheit und Jugend zurück. In ein Kloster im Rheinland, wo er in den sechziger Jahren Missbrauch und Sadismus der Patres erlebt hat, aber auch den Aufbruch der 68er. Die Vergangenheit holt ihn bei einer neuen Liebe mit schrecklicher Realität wieder ein...

 

 

 

 

 

 

Seelenbrüche

Sommer – die Zeit der Freiheit und der Liebe am Baggersee. Es sind die ersten Schritte in ein eigenständiges Leben. Der Ich-Erzähler fühlt sich wie Hans im Glück. Mitten in diese Gefühlswelt platzt die Nachricht von der Krebserkrankung der Mutter. Das Gefüge der Familie droht auseinander zu brechen. Der Vater ertränkt die Sorgen im Alkohol; nur so schafft er es, loyal zu seiner Frau zu stehen. Die Freundin entwickelt eine tiefe Zuneigung zu der Mutter des Ich-Erzählers und eine Intensität in der Beziehung zu ihr, die an ein Helfersyndrom erinnert, Und zwischen allen wuselt der kleine Mischlingshund Charly, der sich zuletzt die Kissenburg im Krankenbett erobert. Diagnosen, Therapien, Tiefs und Hochs, Rückschläge und ein langes Sterben… Und zwischendurch spuken immer wieder die alten Glücksgefühle in dem neuen Leben.
Chris Stoffels “Seelenbrüche” zeigt aus der inneren Sicht des Erzählers die Entwicklung der Familienmitglieder zwischen tiefer Betroffenheit und den Brüchen in ihren eigenen Lebensabschnitten. Ihm geht es darum, die brüchige Balance zwischen Leid und Glück aufzuzeigen, das seidene Band, an dem unser Leben ein- und auspendelt.

 

 

Jesallah

Der syrische Geschäftsmann Firas Abdullah sieht sich in seiner Heimat sowohl von dem Assad-Regime als auch von den radikalen Mitgliedern der ISIS bedroht. Er beschließt, mit Freunden aus Damaskus in Richtung Westeuropa zu fliehen. Das Buch begleitet Firas und seine Gefährten des Trecks auf seinem waghalsigen Weg voller Gefahren, Leiden und Not – aber auch voller Hoffnung.
Der Autor zeichnet die entbehrungsreichen Wochen und Monate der Flucht nach, die schließlich am Ziel auf einer Iso-Matte und einer Luftmatratze in einer Turnhalle endet. Deutschland bleibt trotz dieser Bedingungen das gepriesene Land. Firas und seine Gefährten, insbesondere die Kunstlehrerin Dora, arrangieren sich mit den Verhältnissen für Flüchtlinge. Als sein größter Wunsch, das Wiedersehen mit seiner Familie in Erfüllung geht, kommt es zur Katastrophe. Firas kennt für seine Heimat nur eine Lösung: Jesallah – dass gegenseitige Dulden und achtsame Respektieren von Jesus und Allah…

 

 

Hummerleben

in Mann will es noch einmal wissen. Zum 60. Geburtstag kehrt Michael noch einmal in seine Heimat an der Wesermündung und der Halbinsel Butjadingen zurück. Und taucht ein in die Bilder seiner Kindheit und Jugend. Um sich zu beweisen bricht er alleine zu einer Wattwanderung auf – doch er hat seine Kräfte und die Naturgewalten von Sonne und Wasser überschätzt. Sein ambivalentes Verhältnis zur Mutter und die schwärmerische Liebe zu der Tante gipfeln in Vermutungen, dass die Tante den Tod der Mutter herbeigeführt hat. Als ihm das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, rettet ihn die Tante, die in einem nahen Altersheim lebt, mit ihren metaphysischen Beziehungen zum Wattenmeer. Er erwacht im Krankenhaus und sieht
sich wie früher im Schnittpunkt der Liebe zweier Frauen. In der schwierigen Sinnsuche entscheidet er sich schließlich für Susanne, die bereit ist, seine Liebe anzunehmen, und deren Gefühle er nach einem Prozess der Selbstfindung erwidern kann. Sie löst schließlich die Tante ab, die schließlich ihren Tod im Wattenmeer sucht und mit Hilfe von Michael und Susanne findet.

 

 

Zeitgerinnsel

Die Generation der Väter schweigt. Ihre Söhne und Töchter müssen in der “vaterlosen” Generation nach dem Krieg in ein Leben finden, das gekennzeichnet ist von dem Schock über das unemessliche Ausmaß des Krieges, der Verfolgung, des millionenfaches Tötens und der Fragen nach der Schuld des Einzelnen an diesem Schrecken und der kollektiven Verantwortung des deutschen Volkes. Was können diese Väter und um Teil auch dieser Mütter ihren Kindern vermitteln, die sich unendlich viele Fragen stellen, aber nur selten befriedigende Antworten bekommen? Ihre Eltern kannten keine Jugend: Sie wurden hineingeboren in die “Schuld” der Väter und den überbordenden Eifer des Wiederaufbaus. Der Autor schildert diesen Zwiespalt, den Vater als gebrochenen Helden zu erleben, der innerlich an seinem Kriegserleben zu Grunde zu gehen droht, und den Sohn, der anfangs in dem “Helden” noch ein Vorbild sieht, das aber mehr und mehr im Alkohol verfällt. Der Sohn kann sich nur mühsam aus dem goldenen Käfig des Elternhauses befreien und die eigenen Erfahrungen machen, die der Vater nie erlebt hat. “In dem Alter, als der Vater aus der Kriegsgefangenschaft kam, bekam ich meinen ersten VW-Golf geschenkt.” Der Ich-Erzähler schildert seinen Weg aus der Kriegswelt des Vaters über die “Stillhalteabkommen” der Generationen während der Adenauer-Ära über die Protestbewegungen von der Studentenrevolte bis zu den Hippies, von den RAF-Terroristen bis zur früh-etablierten Ego-Gruppe der “Generation Golf”.
Das Buch zeigt Ursachen und Zusammenhänge auf, vermeidet jede Schuldzuweisung. Die persönlichen Sicht des Erzählers ist schmerzhaft, tiefgreifend, einschneidend und schonungslos. Aber deshalb so wichtig als ehrliches Zeugnis auch jener Generation der letzten Kriegsteilnehmer, die im Aussterben begriffen ist.